Wie läuft’s? Geht so.

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Was für ein tolles Laufjahr: Die ersten Ultratrails. Ich bin so lange, so weit und so hoch wie noch nie gelaufen. Und dennoch fühlt es sich irgendwie nicht gut an.

Ich bin mir gar nicht sicher, woran es liegt. Vielleicht war es ein Fehler, den letzten großen Lauf des Jahres schon Anfang August zu absolvieren. Danach ging es irgendwie abwärts. Keine Motivation mehr, ein Umzug von der City aufs Land, Knieschmerzen, der Herbst, das Leben. Irgendwie hatte ich für ein paar Wochen den läuferischen Faden völlig verloren.

Mittlerweile bin ich wieder einigermaßen in der Spur und frage mich, wohin mich mein Weg im nächsten Jahr führen soll. Denn, so sehr ich die Distanzen jenseits der 42,195 Kilometer dieses Jahr auch genossen habe, so hab ich auch gemerkt, dass ich mich weder im Training noch im Wettkampf derart an meine Grenzen gebracht habe wie beim Marathon. Klingt komisch, ist aber so.

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Deswegen dachte ich neulich fast schon etwas wehmütig an den Herbst 2014 zurück, als mein Ziel darin bestand, beim Luzern Marathon meine Marathonbestzeit aus dem Jahr 2008 zu knacken. Dienstags war Intervalltag. Ihr kennt diese ganz fiesen Dinger: 4×4, 5×3, 3×5. Ekelhaft! Geil! Abends kam ich mit mehr als 20 Kilometern auf der Uhr nach Hause, duschte und pennte auf dem Sofa ein. Dieses wohlige Gefühl der Erschöpfung ging mir beim Training auf die Ultratrails etwas ab. Mit der Gewissheit, dass ich in Stuttgart ohnehin nicht simulieren kann, was mich im bayerischen Wald oder gar in den Alpen erwarten würde, habe ich mich einfach drauf verlassen, dass es irgendwie schon klappen wird. Und so war es ja auch. Ja, dieses Laufen ohne Druck ist etwas tolles. Aber, ich bin niemand, der sich von Trainingsplänen, Pulswerten und Schrittwerten verrückt machen lässt. Ganz im Gegenteil: Ich bin der, der morgens lieber im Bett liegen bleibt statt laufen zu gehen. Ich bin ein Anti-Trainingsweltmeister. „Schnell“ bin ich nur im Wettkampf.

In einer Zeitung, ich glaube, es war die Welt, habe ich vor ein paar Jahren mal einen Text über die Faszination des Ultralaufens gelesen. Darin stand ein Satz, den ich nicht vergessen habe: „100 Kilometer irgendwie zu laufen ist einfacher als einen Marathon in weniger als 3,5 Stunden zu schaffen.“ Damals dachte ich: Was für ein Schwachsinn. Heute denke ich ein wenig anders darüber. (Obwohl ich noch nie weiter als 63 Kilometer gelaufen bin, wohlgemerkt).

Denn, wenn mich jemand nach meiner größten läuferischen Leistung fragen würde (warum macht das eigentlich nie jemand?!), so wäre meine Antwort weder der UTLW noch der Zugspitz Supertrail in diesem Jahr, sondern eben jener Luzern-Marathon 2014 mit zwei Runden und 360 Höhenmetern, auf den ich mich so gewissenhaft wie selten vorbereitet habe und bei dem ich bis ins Ziel die geplante Pace durchhalten konnte.

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Da möchte ich wieder hin. Weder nach Luzern (obwohl: tolle Stadt!), noch auf die Straße. Aber ich möchte die Ernsthaftigkeit, mit der ich für den Luzern-Marathon trainiert habe, auf das Training für neue Trailwettbewerbe übertragen.

Aber wie geht’s konkret weiter? Mein Langzeitplan sah ja eigentlich vor, in diesem Jahr genug Qualifikationspunkte zu erlaufen, um zumindest die Chance zu haben, 2017 mit dem CCC meinen ersten Hunderter anzugehen. Aber nach dem Rechte-Shizzle habe ich weder die nötigen Punkte noch überhaupt Lust am Mont Blanc zu laufen. UTMB my ass.

Deswegen hatte ich meine 100k-Pläne für 2017 eigentlich auch schon komplett begraben. Bis dann in der letzten Woche die Patentante meines Sohnes bei ihrem ersten 100er das Taubertal in Schutt und Asche legte, ihre AK30 gewann und Gesamt-Vierte wurde. 100 Kilometer in 11 Stunden! So lange habe ich an der Zugspitze für 63 Kilometer gebraucht! Dabei ist es noch gar nicht so lange her (okay, es war 2010), dass ich sie auf ihrem ersten Halbmarathon begleitet habe. Ich glaube, das war die Motivationsspritze, die ich dringend brauchte.

Damit ist das Projekt für 2017 klar: Der Hunderter muss her. Ob an der Zugspitze oder woanders. Und das nach Möglichkeit bevor ich Ende August einen runden Geburtstag feiere. Ich brauche einfach wieder ein Ziel, das ich wirklich nur dann erreichen kann, wenn ich es ernsthaft angehe und keine bequemen Kompromisse eingehe.

Aber bevor es soweit ist, freue ich mich auf den Nikolauslauf in Tübingen und sogar ein wenig auf den Marcothon im Dezember. Und um mir selbst ein wenig Druck zu machen und gut über den Winter zu kommen, möchte ich dann doch mal in Rodgau starten. Denn ich habe gemerkt, dass ich meine Ziele möglichst laut rausposaunen muss, damit ich sie ernsthaft verfolge. Commitment is the key.

Als ich vor ein paar Monaten so richtig motiviert war, wollte ich sogar einen „echten“ Laufblog schreiben. Seitdem ruht er und wartet auf Inhalte. Ich hoffe, ich habe bald wieder genug zu schreiben, um das Ding mit Laufcontent zu füllen.

Achja: Die Bilder dieses Beitrags haben keinen Bezug zum Text, sondern zeigen meinen neuen Arbeitsweg. Nett, oder?

Lekker, lekker: Eine Texel-Foto-Love-Story

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Disclaimer: Dieser Beitrag enthält überhaupt keinen Lauf-Content.

Camping. Im Zelt. Im Ausland. Auf einer Insel. Oder das, was wir End-Dreißiger mit Familie schon mal als kleines Abenteuer durchgehen lassen. Aber ohne Scheiß: Ich habe mich wahnsinnig auf diese knappe Woche gefreut. Seit ca. 25 Jahren mal wieder ein gemeinsamer Urlaub mit meinem Papa und die eigene Familie dabei. Besser geht’s nicht. Und es war genau so toll wie ich es mir erhofft hatte.

Von Sonntag bis Freitag waren wir auf der niederländischen Nordsee-Insel Texel (oder wie wir Niederländer sagen: ‚Tessel‘) stationiert. Mein Vater in seinem treuen T4 mit >300.000 Kilometern auf dem Dieselbuckel und diversen Booten im Gepäck, wir in unserem geliehenem Vier-Personen-Zelt und einem bis unter das Dach vollgepackten Auto.

Nach einem Regentag am Montag zeigte sich die Insel von ihrer schönsten Seite. Wir erwischten vermutlich die beste Woche seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Ein Nordsee-Traum.

Ich mach’s kurz und lasse die Bilder sprechen: Eine Texel-Foto-Love-Story.

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Fazit: Eine tolle Insel. Wir waren ganz im Norden auf dem Campingplatz „De Robbenjager“ in der Nähe von de Cocksdorp (hihi!). Beides sehr empfehlenswert. Und es war nicht mal teuer: Die Fähre von Den Helder und zurück kostete 37 Euro, der Campingplatz für 6 Personen inkl. Zelt und Bulli 375 Euro. Wir sind jedenfalls jetzt „Tessel-Fans“.

Wahrscheinlich ist Holland wirklich die geilste Stadt der Welt.

PAGT 16: Expect the unexpected.

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„Bier aus der Dose,
Pommes aus zu altem Fett
So fühlt sich das Leben an
außerhalb von Tisch und Bett“

Als ich am vergangenen Sonntag Nachmittag wieder nach Hause komme, habe ich schmerzende Beine, ein seliges Lächeln im Gesicht, schmutzige Füße und ein Bändchen am Arm. Klare Diagnose: Festivalbesucher. Aber halt! Der Typ ist doch eigentlich zu alt dafür, oder? Und in der Tat: Ich habe seit vier Jahren kein Festival mehr besucht. Schwere Beine und Dreck unter den Zehennägeln hole ich mir mittlerweile auf den Trails. Am letzten Wochenende lagen diese in den Tiroler Alpen, genauer gesagt im schönen Pitztal. Doch diesmal war irgendwie alles anders.

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Vorgeschichte:
Ursprünglich hatte ich drei Läufe auf dem Schirm, um mir die drei UTMB-Qualifikationspunkte zu erlaufen, die ich theoretisch noch benötige, um in die Verlosung für den CCC 2017 gehen zu können: Hartfüsslertrail, Pfalztrail, Trail Haut Koenigsbourg. Leider fielen alle Termine der Urlaubs-, Umzugs- und Arbeitsplanung zum Opfer. Mal ganz abgesehen davon, dass ich für den Zugspitz Supertrail wohl ohnehin keine vier UTMB-Punkte bekomme. War also Chamonix.

Aber dieses erste Augustwochenende sei doch noch frei, meinte meine Frau. Also schnell den Rennkalender gecheckt: AlpenX: Auch auf den „kurzen“ Strecken mindestens 5 Nummern zu groß. T41 beim Iron Trail? Warum nicht. 130 CHF Anmeldegebühr? Dann lieber doch nicht.

„Wir machen ’ne Wiese aus dem grauen Asphalt
Raus in den Sommer, es wird früh genug kalt.“

Aber war da nicht noch diese Veranstaltung im Pitztal? Tatsächlich. Und wo ist dieses Pitztal überhaupt? Nur 320 Kilometer von Stuttgart? Und schon war ich angemeldet. Neben den langen Distanzen über 85 und 100 Kilometer waren gleich zwei Marathonstrecken im Angebot: Einmal mit 2.400 und einmal mit 3.000 Höhenmetern. Das besondere an der zweiten Variante ist dabei die Querung des Pitztaler Gletschers. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Also erweiterte ich meine Pflichtausrüstung nicht nur um eine Regenhose, sondern auch um Spikes.

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Seit dem Supertrail hatte ich nur mäßig trainiert und keinen Lauf über 25 Kilometer gemacht. Aber 3.000 Höhenmeter hatte ich an der Zugspitze schließlich auch geschafft und 42 km sind ja „nur“ ein Marathon. Was sollte da schon schiefgehen? Vor allem, wenn die Zielgruppe auf der Website so beschrieben wird:

„Trainierte Läufer mit Marathonerfahrung, ambitionierte Halbmarathon-Finisher, Bergläufer, Langdistanz-Triathleten, Ultralauf-Einsteiger“

Klang mehr nach einer lockeren Joggingrunde in den Bergen. Ich fragte deshalb lieber nochmal nach bei Läufern, die die Strecke kennen. Und die Einschätzungen von Sarah, Robert und Frank klangen dann auch schon ganz anders. Viel mehr nach Abenteuer. Nach jeder Menge Abenteuer!

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Und je näher das erste Augustwochenende rückte, desto klarer wurde mir, dass das Ding eine echte Herausforderung werden würde: Der brutale Anstieg gleich vom Start weg mit 1.400 Höhenmetern auf nur 6 Kilometern. Die Höhe von mehr als 3.000 Metern, auf ich zuvor noch nie gewesen war. Die Gletscherquerung. Die technischen Trails. Und vor allem: Der Start um 5 Uhr morgens. Kurz gesagt: Ich hatte etwas Bammel. Und gleichzeitig richtig Bock darauf, mich den Herausforderungen zu stellen.

„Reisst euch von der Arbeit los,
bringt die Kinder zu den Eltern.“

Da sich leider niemand der üblichen Verdächtigen fand, fuhr ich am vergangenen Freitag alleine ins Pitztal. Auch anders als sonst. Die Wetterprognose sagte einen ziemlich verregneten Freitag vor, gefolgt von einem perfekten Laufsamstag. Doch schon bei der Anfahrt am Freitag im Dauerregen beschlich mich so ein Gefühl, dass die sintflutartigen Regenfälle auch Auswirkungen auf das Rennwochenende haben sollten. „Überschwemmungen und Neuschnee bis auf 2.000 Meter“ hieß es im Radio. Keine guten Voraussetzungen, wenn man auf den Mittagskogel mit knapp über 3.000 Meter laufen will. Und in der Tat erreichte mich noch während der Fahrt eine Mail des Veranstalters Laufwerkstatt: Aufgrund des schlechten Wetters wurden beide Marathonstrecken zusammengelegt und es wurde „nur“ die Rifflsee-Variante gelaufen. Kein brutaler Anstieg, kein 3.000er, kein Gletscher. Kurzum: Alle Herausforderungen gestrichen. Enttäuschung.

Nachdem ich beim Briefing in Mandarfen die Fotos von der Strecke sah, die wenige Stunden zuvor gemacht worden waren, war schnell klar: Richtige Entscheidung. Niemand will und kann sich durch 20 Zentimeter Neuschnee da hoch kämpfen. Angenehmer Nebeneffekt: Startzeit am Samstag: 9 Uhr statt 5 Uhr. Also damit konnte ich gut leben. Angenehmer Nebeneffekt, Teil 2: Beim Briefing lernte ich auch endlich mal Maty, Ulf und Robert persönlich kennen! Allein dafür hat sich die Fahrt ins Pitztal schon gelohnt.

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„Um wirklich cool zu sein, sind wir viel zu alt.
Raus in den Sommer, es wird früh genug kalt.“

So kam ich am Samstag noch in den Genuss eines Frühstücks, bevor ich von St. Leonhard nach Mandarfen fuhr. Dort angekommen, stellte ich das Auto ab, ging zum Startbereich und wartete nervös auf den Startschuss, der um Punkt 9 erfolgte. Eigentlich hätten dann über 1.400 Höhenmeter auf uns gewartet. In der Schlechtwetter-Variante waren es „nur“ gut 600. Und darüber war ich sehr froh. Und schnell merkte ich auch hier wieder, dass ich mich gut in einen solchen Anstieg „reinarbeiten“ kann. Dachte ich zu Beginn noch: „Was eine Scheiße!“, wurde es mit jedem Höhenmeter besser. Am Ende des Anstiegs wartete nicht nur der VP auf der Sunna-Alm, sondern auch der grandiose Anblick des Rifflsees auf gut 2.200 Metern. Kurz vor der VP traf ich dann noch Anja, die ich in Lichtenstein kennengelernt hatte. Gemeinsam liefen wir am Rifflsee vorbei und arbeiteten uns bis zum Fuldaer Höhenweg, wo der erste Downhill folgte. Dort musste ich sie ziehen lassen. Mittlerweile bin ich fast sicher, einer der langsamsten Downhill-Läufer der Welt zu sein. Und es macht mir nicht mal was aus.

Der Fuldaer Höhenweg war trotz des schlechten Wetters und suboptimaler Aussicht eine echte Show. Allerdings wollten sich meine Füße irgendwie nicht mit dem Trail und den zu überquerenden Felsbrüchen anfreunden. Ich habe dort recht viel Zeit liegen gelassen und natürlich auch recht viele Bilder gemacht. Irgendwann schlängelte sich der Trail in Richtung des höchsten Punkts der Strecke, dem Taschach-Haus auf knapp 2.500 Metern Höhe. Da oben war es wirklich frisch. Es war neblig und es lag Schnee! Und die Strecke war teilweise ausgesetzt und mit Seilen versichert. Das ist normalerweise außerhalb meiner Komfortzone, aber ich fühlte mich hier keine Sekunde lang unsicher oder verspürte Angst. Das lag zum einen an der nicht vorhandenen Aussicht und zum anderen an Robert, von dem ich wusste, dass er dort oben Bilder machte.

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„Wir machen ’ne Wiese aus dem grauen Asphalt
Raus in den Sommer, es wird früh genug kalt.“

Es folgten knöcheltiefer Matsch, Bodenkontakt auf schneebedeckten Wiesen und unwegsames Gelände bevor ich endlich am nächsten VP ankam. Kurzer Blick auf die Uhr: 18 Kilometer in gut 4 Stunden. Ooooookay, das würde wohl eine längere Geschichte werden. Ich gönnte mir ein paar Gelshots und eine Dose Cola, machte seit langer Zeit mal wieder meinen iPod startklar und machte mich auf den Weg Richtung Tal. Blöderweise hatte ich jenen iPod vor einiger Zeit mal zweckentfremdet als meine Tochter im Krankenhaus lag. Da ich bislang zu faul war, die ganze Playlist neu anzulegen, befindet sich darauf jetzt eine krude Mischung aus Hardcore, Punk und Kindermusik. Auf Ryker’s folgt Volker Rosin, nach Agnostic Front kommt Sendung mit der Maus. Laut Genfer Konventionen fällt sowas sicher unter Folter. Aber man bleibt aufmerksam. Jederzeit bereit, innerhalb von Millisekunden weiter zu skippen.

Doch zurück auf die Strecke: Der Weg zurück nach Mandarfen zog sich. Vor allem die letzten Kilometer über unspektakuläre Schotterwege im Tal. Immerhin konnte ich hier meinen schnellsten Kilometer laufen: 4:47 Minuten. Was zum Teufel habe ich mir dabei gedacht? Im Ziel angekommen ging es für mich nochmals hoch auf die Sunna-Alm. Sicherlich kein streckenplanerisches Highlight und der einzige Punkt auf meiner Meckerliste. Aber im Gegensatz zu den Downhillpassagen konnte ich hier wenigstens etwas Zeit gutmachen. Die drei Läufer, die ich zu Beginn des Anstiegs einsammelte, sah ich jedenfalls nicht wieder. Am Sunna-Alm-Haus freuten sich die Helfer am letzten VP über Kundschaft, dann ging es nochmals rund um den Rifflsee. Das Höhenprofil hatte ich so interpretiert, dass es dann nur noch bergab geht. Tat es aber nicht. „Wellig“ beschreibt die nächsten Kilometer ziemlich gut.

Aber wie herrlich das war: Ein schulterbreiter, gut laufbarer Trail, der sich über grüne Wiesen zwischen Felsen hindurch über die allgegenwärtigen Sturzbäche schlängelte. Dazu diese durchziehenden Wolkenfetzen und keine Menschenseele in Sicht. Denn mal wieder hatte ich das Trailparadies komplett für mich alleine. Besser geht’s nicht. Als ich meiner Frau gestern die Bilder vom Zieleinlauf zeigt, war ihre Reaktion: „Da war aber nicht viel los, oder?“ Und da wurde mir klar, dass es natürlich schön ist, im Ziel eine tolle Stimmung zu haben. Aber auf der restlichen Strecke ist dies völlig irrelevant. Ein Lauf wie der PAGT braucht keine Zuschauer. Ich brauche keine Zuschauer. Kein Anfeuern, kein Klatschen, kein Jubeln. Das im wahrsten Sinne höchste der Gefühle ist es, da oben alleine rumzulaufen. Durch das Laufen in der Natur reduziert man sich so auf das Wesentliche, dass alles andere stören würde.

Und so war ich echt froh, dass ich erst auf dem Schotterweg, der leider auch doppelt zu laufen war, von anderen Läufern eingesammelt wurde. Aber als Entschädigung dafür sah ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Murmeltier. Ein fairer Deal. Die Stimmung im Ziel würde ich wie oben nicht gerade als frenetisch bezeichnen, aber dafür gab es ein High-Five und Glückwünsche vom Rennleiter persönlich. Das gibt es auch nicht überall.

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Fazit:

Bisher der Lauf in meiner kurzen Trailrunner-„Karriere“, bei dem ich mir der Natur am nächsten fühlte. Das klingt jetzt furchtbar esoterisch, aber in der Tat war der Pitztal Alpine Glacier Trail durch die überschaubare Teilnehmerzahl und das alpine Gelände und den Schnee noch mehr Abenteuer als der UTLW oder der Supertrail. Wahrscheinlich kam mir die Schlechtwetterstrecke gerade recht, denn die Gletschervariante hatte mich dank etwas zu wenig Training und etwas zu viel Gewicht sicherlich hart an meine Grenzen gebracht. Aber auch so waren 43 Kilometer in knapp achteinhalb Stunden ein gutes Stück Arbeit. Mir ist völlig unverständlich, wie der Sieger Marcus Mingo das in 4:53h hinbekommen konnte. Und dass einige Läufer beim verkürzten P100 die doppelte Distanz bewältigt haben, übersteigt meine Vorstellungskraft.

Achja: Am Freitag morgen habe ich die Etiketten von den Gletscherkrallen entfernt und kann sie nicht zurückgeben. Als Wahlschwabe bedeutet das natürlich, dass ich nächstes Jahr mit ihnen über den Gletscher muss.

Wahrscheinlich unnötig zu erwähnen, aber bei meiner Abreise am Sonntag herrschte bestes Sommerwetter:

Zitate geklaut von Fiva, weil es einfach passt:

Alle, alle Bilder:

Letzte Ausfahrt: Highway to hell

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Laufen wird immer moderner. Tolle, neue Wettbewerbe erblicken quasi minütlich das Licht der Läuferwelt. Immer weiter, immer höher, immer geiler. Der Mief von durchgeschwitzten Baumwollklamotten ist schon lange Vergangenheit. Dafür gibt es jetzt stylische Funktionsklamotten mit edgy Attitüde und coolen Filmchen auf Youtube. Das gleiche gilt auch für Laufuhren und Schuhe. Ich persönlich finde das ja alles super. Aber als ich vor ein paar Wochen im Startblock des Supertrails in Leutasch stand und mal wieder „Highway to hell“ von AC/DC aus den Boxen dröhnte, fragte ich mich, warum bei jeder Laufveranstaltung vom 5-Kilometer-Volkslauf bis hin zum international besetzten Ultra diese über 30 Jahre alte Nummer gespielt wird. Ich habe eigentlich nichts gegen den Song, aber mittlerweile habe ich ihn am Start schon so oft gehört, dass ich spontan einen Latschenkiefer-Geruch in der Nase habe, wenn ich die ersten Takte vernehme. Franzbranntwein from hell.

Deswegen mein Appell an alle Laufveranstalter: Erweitert eure Playlists oder – falls ihr noch nicht so weit seit – kauft Euch ein paar neue CDs. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, aber ein paar Voraussetzungen sollte ein guter Startsong erfüllen: Er sollte konzeptionell oder textlich irgendeine Lauf-Assoziation auslösen und er sollte einer von den Songs sein, die besser klingen, je lauter man sie spielt. Und, ja, er muss zumindest ein Stück weit massenkompatibel sein. Ich persönlich würde mich auch gerne von Slayer auf die Strecke schicken lassen, aber ob das dem Andrea Berg Ultra neben mir auch so geht? Hörstürze und spontanes Erbrechen sollten vermieden werden.

Also, wenn ich der Startmusikverantwortliche eines Laufes wäre, würdet Ihr wahrscheinlich so etwas hören. Weitere Vorschläge sind herzlich willkommen.

Zugspitz Supertrail 2016: (K)ein Laufbericht.

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Ihr kennt diese guten Berichte, die einen Lauf detailliert beschreiben? Wie die Streckenführung war. Wie das Wetter war. Welche Verpflegung es an welchem VP gab. Welche Herausforderungen bei welcher Kilometermarke warteten. Welches Equipment sich bewährt hat. Ihr kennt diese Berichte, die ich so gerne und immer wieder lese, bevor ich eine Strecke zum ersten Mal in Angriff nehme?

Dieser Text ist keiner dieser Berichte.

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Denn wahrscheinlich bin ich immer noch zu sehr euphorisiert, um mich auf schnöde Fakten zu konzentrieren. Schließlich bin ich am Samstag weiter, höher und länger gelaufen als bisher in meinem doch recht langen Läuferleben. Ich bin durch Schneefelder geschlittert, habe meine Schuhe beinahe im Matsch verloren, stand bei strahlendem Sonnenschein im Regen am VP8 und aß Kuchen, wurde 50 Meter von einer Fledermaus begleitet, stakste durch knöcheltiefes kristallklares Bergwasser und konnte die letzten zwei Kilometer durch Grainau laufen. Flott laufen. Nach zehneinhalb Stunden und 61 Kilometern! Fuck, yeah!

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Obwohl ich seit 2005 laufe und bereits 2007 meinen ersten Marathon absolviert habe, kommt es mir vor, als hätte ich dieses Jahr erst so richtig mit Laufen begonnen. Der UTLW und jetzt der Supertrail haben meinen Fokus komplett verschoben. Wenn ich den ganzen Tag in der Natur unterwegs bin, gibt es nur mich und die Strecke. Sonst nichts. Keine blödsinnigen selbst gesteckten Zeitvorgaben, keine drängelnden Mitläufer, keine Gehetze, keine Ampeln, keine Autos. Es geht nur um mich und die Herausforderung, die die Natur mir in den Weg stellt. Da vorne ist der Berg. Ich bin unten und will da hoch. Egal wie lange es dauert und wie anstrengend es ist. Es ist so einfach. Es ist so schwierig.

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Es hat fast schon was Meditatives, wie sich mein Kopf dann leert und ich in der Lage bin, trotz aller Strapazen die Natur zu genießen. Viele Dinge, die mich sonst beschäftigen, kommen mir auf einmal völlig banal vor. Als meine Uhr am Sonntag zehn Kilometer vor dem Ziel schlapp machte, ärgerte mich das nicht mal. Zu dem Zeitpunkt stand ich gerade oben auf der Alpspitze, blickte ins Tal auf die Modelleisenbahn-Landschaft und wusste: Ich habe es geschafft. Verdammt, ich habe es tatsächlich geschafft! Kraft und Kondition haben gereicht und der Kopf hat auch mitgespielt. Ich wusste aber auch, dass der Weg runter nach Grainau kein Vergnügen werden würde und deswegen habe ich mir einfach Zeit gelassen. Um nichts in der Welt wollte ich mir das Finish nehmen lassen, schon gar nicht von einem blöden Sturz.

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Ja, der Zugspitz Supertrail war eine riesige Herausforderung, die mir alles abverlangt hat. Aber ich weiß nicht, ob ich sagen kann, dass sie mich an meine Grenzen gebracht hat. Denn der Gedanke, das Rennen vorzeitig zu beenden, kam mir überhaupt nie in den Sinn. Und die Cut-off Zeiten waren auch nie ein Thema. Im Gegenteil: Mit Erschrecken habe ich festgestellt, dass es gerade diese nicht enden wollenden Anstiege wie auf das Scharnitzjoch und die Alpspitze sind, die mir liegen. Ein Fuß vor den anderen, Stock links, Stock rechts, immer weiter, immer höher. Sowas kann ich. Vielleicht sogar etwas besser als andere. Die sammeln mich dann bergab sowieso wieder ein. Was ich auch festgestellt habe: Ich laufe am liebsten alleine. Natürlich gibt es überhaupt nichts gegen ein nettes Gespräch auf der Strecke einzuwenden und hin und wieder tut es auch gut, einen Anstieg gemeinsam anzugehen. Aber am schönsten war es auch in den Alpen für mich, wenn niemand in der Nähe war. Wie oben geschrieben: Es geht eben nur um mich. Da geht soweit, dass ich die gesamte Zeit ohne Musik gelaufen bin. Und ich laufe im Training nie ohne Musik.

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Als ich ins Ziel kam, war ich unfassbar stolz und ziemlich gerührt. Und wer mich kennt, wird bestätigen, dass ich eigentlich nie gerührt bin. Aber ich glaube, ich war selten so kurz davor, feuchte Augen zu bekommen wie auf den letzten zwei Kilometern durch Grainau. Alle jubelten mir zu. Nicht nur die Einheimischen und die Kinder, die ihre Hände zum Abklatschen hinhielten. Sondern auch schnellere Läufer, die sich ihre Medaille schon abgeholt hatte. Die genau wussten, was hinter mir lag. Und auch sie jubelten mir zu, feuerten mich an, beglückwünschten mich. Nicht von oben herab, weil sie schneller gewesen waren, sondern voller Anerkennung und Respekt. Gesichter, die ich den ganzen Tag über immer wieder auf der Strecke gesehen hatte, lächelten mich an. Läufer, mit denen ich den ganzen Tag über kein Wort gewechselt hatte, beglückwünschten mich im Ziel mit Handschlag. That’s the spirit. Auf der Strecke und auch davor und danach. Überhaupt war ich auch in diesem Jahr von der Stimmung in Grainau begeistert: Die Kombination aus internationalem Flair mit Startern aus der ganzen Welt in teuren Funktionsklamotten und der bayerischen Bierzelt-Zünftigkeit gefällt mir einfach. Umso schöner war es, auch in diesem Jahr wieder einige Läufer zu treffen, mit denen ich sonst nur per Twitter kommuniziere.

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Letztes Jahr konnte ein Video von Michael Arend
machen, als er als Sieger des Ultratrails ins Ziel kam. Dieses Jahr hatte ich unsere Unterkunft möglichst nah am Zielbereich gebucht, weil ich auch sehen wollte, wie Läufer mitten in der Nacht oder sogar erst am Sonntag Morgen ins Ziel kommen. 

Und so standen wir am Sonntag um kurz nach 9:00 im Zielbereich und applaudierten den Läufern, die im strömenden Regen als letzte die Ziellinie überquerten. Da war das Trio, das sein Finish mit einer Bierdusche feierte. Und der Holländer, der sich erstmal eine Zigarette drehte, nachdem er 26 Stunden in den Alpen war. Sechs-und-zwanzig Stunden!

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Und so verschieben sich die Perspektiven erneut. Letztes Jahr hielt ich es nach dem Basetrail XL nach 31 Kilometern und gut vier Stunden für undenkbar, die doppelte Distanz zu laufen. Nach knapp 63 Kilometern und 10:41 Stunden frage ich mich jetzt, wie zum Teufel man da noch 38 Kilometer dranhängen und den letzten Teil der Strecke im Dunkeln bewältigen kann. Vielleicht versuche ich irgendwann, das herauszufinden.

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Achja: Den 5.000 Zeichen langen Text, den ich geschrieben und wieder verworfen habe, veröffentliche ich eventuell später. Das ist nämlich einer dieser guten Berichte, die einen Lauf detailliert beschreiben und auf den ganzen philosophischen Mist verzichten.

Wer den Zugspitz Ultratrail noch aus anderen Perspektiven erleben möchte, sollte sich auf jeden Fall Flos kritischen Schnaufcast anhören, Stephans Video ansehen und Katrins Bericht (leider ohne Happy End) lesen.

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Ich fahre zum ZUT und nehme mit …

In weniger als 24 Stunden geht es ab nach Grainau und in weniger als 48 Stunden erfolgt der Startschuss zum Supertrail in Leutasch. Höchste Zeit also, die Pflichtausrüstung zu richten. Und die ist für den Zugspitz Ultratrail durchaus üppig. Von der offiziellen Website der Veranstaltung:

  • Trailrunning-Schuhe mit Profilsohle, die für das Laufen im alpinen Gelände geeignet sind
  • Laufrucksack
  • Regenbekleidung Überbekleidung als Regenschutz (mind. wasserdichte Regenjacke)
  • Warme Kleidung (Oberteil und lange Hose bzw. Beinlinge) als isolierende Zwischenschicht unter der Überbekleidung (für schlechte Witterung, die im Hochgebirge überraschend einsetzen kann) Hier gilt die Grundregel, dass keine Haut sichtbar sein darf!
  • Handschuhe und Mütze
    Funktionstüchtige Stirnlampe mit Ersatzbatterien oder –akku (gilt nicht für BASETRAIL XL und BASETRAIL)
  • Beschriftung der mitgeführten Lebensmittel-Verpackungen mittels Startnummer
  • Becher zur Aufnahme der Getränke an den Verpflegungsstellen
    Wasserbehälter mit mindestens 1,5 Liter (BASETRAIL XL und BASETRAIL 1 Liter) Fassungsvermögen
  • Notfallausrüstung (1x Kompresse 10×10, 2x Verbandspäckchen, 2x Handschuhe, 1x Dreieckstuch, 4x Wundpflaster, Notfallpfeife, Blasenpflaster, Rettungsdecke)
  • Navigationsuhr mit eingespeichertem GPS-Track der gewählten Strecke oder alternativ detaillierte Streckenkarten in gedruckter Version (Ausgabe in der Registrierung)
  • Mobiltelefon mit eingespeicherter MEDICAL CREW-Nummer zum Absetzen von Notrufen (es muss sichergestellt sein, dass das Handy auch im Ausland Anrufe tätigen kann)
  • Empfohlen wird außerdem u.a.: Teleskopstöcke, Sonnencreme, Fettcreme gegen Wundscheuern, eigene persönliche Verpflegung, zusätzliche Blasenpflaster.

Natürlich gilt „Safety first“ und man muss sich auf alle Eventualitäten einstellten, wenn man je nach Strecke 5 bis 20 Stunden in den Alpen unterwegs ist. Aber dennoch ist es eine ganze Menge Zeug, das man mit sich schleppen muss.

War ich im letzten Jahr anfangs noch etwas überfordert mit dem Thema Pflichtausrüstung, muss ich dieses Jahr nicht viel ändern. Die Stirnlampe mit Ersatzbatterien kommt hinzu und statt 1 Liter muss ich nun 1,5 Liter Fassungsvermögen habe. Also kommt eine (leere) Soft Flask mehr mir. Statt einer langen Hose wollte ich eigentlich Beinlinge mitnehmen (die roten im Bild), aber die entsprechen natürlich nicht der „No skin visible policy“ – mal sehen. Nicht im Bild ist der Faltbecher, der mitzuführen ist.

Und was man auf keinen Fall vergessen sollte (so wie ich im vergangenen Jahr): Ziploc-Beutel. Denn die ganzen langen Sachen bringen einem recht wenig, wenn sie nass sind bevor man sie anzieht. Und das Telefon hat es auch gerne trocken.

Wenn ich mir das ganze Zeug so angucke, wäre es wohl das beste, wenn ich mir in Grainau einen Sherpa suche.

Ein Laufschuh-Rant

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Heute wurde der Nachfolger der Suunto Ambit 3 vorgestellt – und alle drehen durch. Wobei „vorgestellt“ maßlos übertrieben ist. Denn eigentlich wurde nur veröffentlicht, dass die „Spartan“ ein Farb-Touch-Display haben wird, einen integrierten Activity-Tracker und nur noch drei statt fünf Knöpfe haben wird. Und dass sie einen Haufen Kohle kosten wird. Genauer gesagt 649 Euro aufwärts. Klar, das wird nicht der Straßenpreis sein und wahrscheinlich wird auch dieses Modell wieder in die günstigeren Linien „Sport“ und „Run“ diversifiziert. Aber irgendwie frage ich mich langsam schon, ob die Laufsportindustrie sich Apple als Vorbild nimmt – und das nicht nur bei den Uhren.

Als ich mir vor zehn Jahren nach einer guten Beratung meine ersten Laufschuhe kaufte, waren das die Glycerin 3 von Brooks. Kostenpunkt: 125 Euro und damit einer der teureren Schuhe im Regal. Mittlerweile ist man bei Modellreihe 14 angelangt und verlangt 170 Euro für den Schuh. Hundertsiebzig! Versteht mich nicht falsch: Der Glycerin ist bestimmt immer noch ein toller Schuh, aber er ist eben auch nichts besonderes. Zu etwas ganz besonderem wollte hingegen Asics seinen MetaRun machen: Lange Entwicklungszeit, Clutch-Counter-System, Memory Foam, Karbonfasern, AdaptTruss-Technologie und vieles mehr. Aber klar: Wenn du für die Schlappen 250 Euro haben willst, musst du dir im Marketing schon etwas einfallen lassen. Dagegen ist der Lunar Epic Flyknit von Nike ja fast schon ein Schnäppchen. Er kostet „nur“ 180 Euro, wird aber immerhin von Arne Gabius getragen.

Natürlich: Alles wird immer teurer und früher war alles besser. Dennoch habe ich das Gefühl, dass einige Hersteller gemerkt haben, dass sie ihrer Kundschaft problemlos noch ein paar Euros mehr aus dem Portemonnaie ziehen können. Der Läufer hat’s ja und investiert gerne etwa mehr in die Gesundheit. Dass die Hersteller an der Preisschraube drehen, ist also verständlich. Dass wir es mitmachen, unser Problem. Aber ich frage mich immer wieder ernsthaft: Wer kauft sich so teure Schuhe, obwohl er weiß, dass sie nicht länger halten als günstigere Modelle und einen vermutlich auch nicht schneller machen? Oder werden hier die Einsteiger geschröpft? Ich kann mich jedenfalls nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal mehr als 100 Euro für ein Paar Laufschuhe ausgegeben habe.

Im letzten Jahr suchte ich nach einer Regenjacke für den Zugspitz Basetrail XL und studierte die Tests im Trailmagazin. Dabei musste ich feststellen, dass es erst bei knapp 200 Euro losgeht. Aber dafür gehört eine Regenjacke auch zu denen Teilen des Equipments, die man im Idealfall nur einmal kauft. Als mittlerweile domestizierter Wahlschwabe habe ich dann trotzdem eine von Craft genommen, die „nur“ 100 Euro gekostet hat und mir bisher beste Dienste geleistet hat.

Aber zurück zu den Schuhen: Zum Glück ist das Preisgefüge gerade im Trailschuhsektor nach wie vor intakt. Klar: Wer rumrennen möchte wie Kilian Jornet, der muss für Salomons S-Lab Sense 5 Ultra SG auch 150 Euro hinlegen. Aber gute und bewährte Modelle wie den Sense Pro 2 bekommt man problemlos für einen zweistelligen Eurobetrag.

Und damit komme ich abschließend zu meiner aktuellen Lieblingsmarke. Jeder, der schon mal mit Schuhen von Inov-8 gelaufen ist, wird wohl bestätigen, dass die Briten tolle Trailschuhe machen. Das ist das beste an den Schuhen. Das zweitbeste ist der Preis:

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Nachdem mich also ein 70 Euro Schuh knapp neun Stunden über Stock und Stein begleitet hat, ohne dass ich auch nur die kleinsten Probleme hatte, frage ich mich: Warum soll ich für einen anderen Schuhe das Dreifache zahlen, obwohl er eigentlich nicht mehr besser sein kann?

Was ich damit sagen will: Laufschuhe müssen nicht 200 Euro kosten. Es gibt mittlerweile eine erfreulich große Auswahl in allen Bereichen. Nichts wäre schlimmer, als wenn zu teure Laufschuhe die Menschen davon abhalten, zu laufen.

Rant Ende.

Let’s go Bavaria: Urlaub im bayerischen Wald

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Yeah, Urlaubsbilder. Darauf habt Ihr bestimmt schon lange gewartet, oder? Für mich als Kind Nordrhein-Westfalens sind diese 14 Tage Pfingstferien in Baden Württemberg nach wie vor befremdlich, aber natürlich ist die Zeit Ende Mai die perfekte Gelegenheit, in der Nebensaison Urlaub zu machen und trotzdem die Chance auf (früh)sommerliches Wetter zu haben.

Ursprünglich hatten wir eine Woche Bauernhof-Urlaub in Wiesau geplant, einem Kaff in der Nähe von Weiden in der Oberpfalz. Dass die Oberpfalz in Bayern ist, irritiert mich übrigens genauso wie das Frankenstadion im baden-württembergischen Heilbronn oder die Schwaben in Augsburg. Jedenfalls wären wir eigentlich am 22. Mai wieder heim gefahren und ich wäre vier Tage vier später erneut in den bayerischen Wald zum Ultra Trail Lamer Winkel gefahren. Was natürlich völliger Blödsinn ist. Die findigen Damen unserer Urlaubsgesellschaft organisierten deshalb zwei Ferienwohnungen in Arrach für Woche zwei unseres Urlaubs.

Für 14 Tage Urlaub benötigt man natürlich etwas Equipment. Ich hatte die DSLR mitgenommen, dazu die kleine Nikon V1, die leider den Dienst quittierte, die Nikon AW110 und die China-GoPro, die ich nicht benutzt habe. Dazu noch das iPhone. Das Resultat sind über 1.000 Bilder, die ich nach wie vor sichte, sortiere und bearbeite. Ich hatte während des Urlaubs unser kleines 13″ Thinkpad dabei, aber ernsthaft arbeiten kann man damit nicht. Ich habe es deswegen eher dazu genutzt, um die Speicherkarten auf eine externe Festplatte zu sichern. Die Bilder, die ich während unseres Urlaubs bereits veröffentlicht habe, wurden überwiegend auf dem iPhone mit VSCO bearbeitet.

Die Bilder sind an verschiedenen Orten mit verschiedenen Kameras aufgenommen worden und unterschiedlich bearbeitet. Sie sind also genauso vielfältig wie der bayerische Wald. 🙂
Und um es noch spannender zu machen, sind sie willkürlich angeordnet. Okay, ich bin ehrlich: Ich bin einfach unstrukturiert und überfordert mit so vielen Fotos. Aber ich hoffe, sie transportieren die Erkenntnis, die ich hatte: Der bayerische Wald ist wirklich schön und nicht nur ein Urlaubsort für die uncoolen Freunde Eurer Eltern. (Oder ich bin mittlerweile einer dieser Freunde.)

 

Raubkatze frisst Läufer. Fast!

Vor kurzem hörte ich eine Episode des Ginger Runner Podcasts. Ethan Newberry hatte Joe Grant zu Gast. Und der erzählte, dass er bei irgendeinem verrückten Laufabenteuer nachts von einem Berglöwen verfolgt wurde und sich in der gottverlassenen Gegend glücklicherweise in das Auto einer Fotografin retten konnte, die gerade auf den Sonnenaufgang wartete.

Was soll ich sagen? Mir ist heute fast das gleiche passiert. Nur war es noch nicht Nacht. Mein Laufabenteuer war auch nur 13 Kilometer lang. Und retten musste ich mich auch nicht. Das lag vermutlich daran, dass der Berglöwe noch recht klein war. Und daran, dass niemand in der Nähe war.

Nachdem ich die erste brutale Attacke der Raubkatze abgewehrt hatte, versuchte ich schnellstmöglich zu fliehen. Aber ich hatte keine Chance. Die bösartige Kreatur stellte mich immer wieder und versuchte sogar, mich zu Fall zu bringen.

Doch ich hatte Glück und konnte einen Moment der Unachtsamkeit der Katze nutzen und fliehen. Und so kann ich exklusiv hier im Blog eines der wenigen Fotos einer solchen Attacke präsentieren. Es ist pures Glück, dass ich ohne gravierende Verletzungen davon gekommen bin. Guckt Euch nur den Blick an: Das pure Böse!

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